Der Jingle bellt – Weihnachten im Anzug

Das Fest wirft seine messerlangen Schatten voraus. Die Straßen leuchten vor Gier, Kindermünder sind gespitzt und Wollusttröpfchen aus Valuta spritzen auf Kassiererinnen. Wir kaufen und verkaufen dafür unser Oma ihr klein Häuschen. Man drückt uns Speichersticks in alle Löcher und wir kommen – gern und immer wieder.

Hohoho, der Weihnachtsmann bringt uns japanische Spielekonsolen, die Kaufhäuser und ihre parfümierten Stockwerke machen uns brechen, allein, damit wir Neues in uns hineinstopfen können.

Hohoho, wir knallen mit hohlen Köpfen aneinander, sie klingen uns wie Glocken. Die Nacht wird nicht mehr still, weiß Gott nicht.

Hohoho, in den Einkaufsstraßen machen wir uns die Lichter aus. Wir lutschen am Weihnachts-McDick und schlucken, schlucken, schlucken. Die Geldbeutel müssen bluten, die Wirtschaftswaisen empfehlen den Aderlass. Genuss ohne Reue ist unser Ziel. Denn Reue ist teuer und kostet mehr als wir haben.

Hohoho, wir erwürgen unsere Stimmung mit farbigen Lichterketten. Nicht umsonst hat man den Weihnachtsmann am Haus gegenüber aufgeknüpft – so behält er den Überblick und uns im Auge.

Für euch klingt das wie Hass? Ihr könnt die Liebe darin nicht sehen? Eine überquellende, schwarze Liebe, dick wie Teer und klebrig wie Pech. Aber Glühwein kann sie knacken. Einfach rein in die Münder, in die Hälse. Und besoffen, trunken im Kaufrausch wanken wir nach Hause. Warme Wohnungen schmeicheln unserer dicken Haut, die Tische biegen sich unter dem Gewicht des Präsens und wir packen drauf.

Wir packen drauf.
Wir packen drauf.

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